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6. Oktober 2022

Equal Pay Day / Gender Pay Gap

63 Tage arbeiten Frauen bis zum Jahresende kostenlos

Am 30. Oktober 2022 wurde der österreichweite Equal Pay Day begangen. An diesem Tag haben Männer bereits jenes Einkommen erreicht, wofür Frauen bis Jahresende noch arbeiten müssen. Ganze 17,1 Prozent verdienen ganzjährig vollzeitbeschäftigte Frauen weniger als Männer. Das entsprich 63 Tagen, die Frauen bis Jahresende “gratis” arbeiten.

Bildquelle: https://equal-pay-day.at

Trotz dieser Fakten sind einige Mythen im Umlauf, die den Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen falsch erklären wollen. Wieso Frauen nicht selbst daran schuld sind, dass sie weniger verdienen, erläutern wir hier.

Mythos 1: Frauen verdienen weniger, weil sie weniger arbeiten

Frauen arbeiten nicht weniger, sie leisten nur mehr unbezahlte Arbeit. Unbezahlte Arbeit beinhaltet jene Tätigkeiten, bei denen Menschen für andere Menschen sorgen. Das sind Haushaltsarbeiten wie Wäsche waschen, kochen, aber auch Kinderbetreuung oder die Pflege von Angehörigen. Laut Erhebung von Statistik Austria verbringen Frauen rund vier Stunden am Tag mit unbezahlter Arbeit, während es bei Männern nur 2,5 Stunden pro Tag sind. Frauen leisten also 11 Stunden mehr unbezahlte Arbeit – und das jede Woche. 

Mythos 2: Frauen sind selbst daran schuld, dass sie weniger verdienen

Es stimmt nicht, dass Frauen sich freiwillig Berufe in schlechtbezahlten Branchen aussuchen. Viele Faktoren beeinflussen die Wahl des Berufsfeldes. Faktum ist allerdings, dass in Branchen, in die Frauen vordringen, die Einkommen sinken.

Umgekehrt kann sich die gesellschaftliche Bewertung eines Berufs sogar verschieben, sobald ihn vorwiegend Männer ausüben: Computerprogrammierung war etwa in den Anfängen ein von Frauen dominierter Beruf und wurde nur wenig wertgeschätzt. Heute hingegen ist die Programmierung ein hochbezahlter, angesehener und männerdominierter Beruf.

Das gesellschaftliche Ansehen und die Bewertung von Berufen ist jedenfalls ein wichtiger Faktor zur Erreichung von Einkommensgleichheit bei Männern und Frauen.

Mythos 3: Das ist doch nicht Diskriminierung, das lässt sich ganz einfach erklären

Viele wissenschaftliche Studien zeigen, dass ein Teil der Einkommensunterschiede durch Faktoren erklärt werden kann, die auf den ersten Blick nichts mit dem Geschlecht zu tun haben. Dazu zählen Unterschiede in der Berufserfahrung, ob Vollzeit oder Teilzeit gearbeitet wird, die Branche, die Größe des Unternehmens oder die individuelle Stellung.Werden die Faktoren Branche, Beschäftigungsausmaß, Beruf, Alter, Bildung und Betrieb herausgerechnet bleibt trotzdem eine Lücke zwischen den Einkommen von Männern und Frauen. 

Mythos 4: Frauen verdienen wegen ihres Privatlebens weniger und nicht, weil sie am Arbeitsplatz diskriminiert werden

Der Pay Gap zeigt auch unfreiwillige Unterschiede. Frauen verzichten nämlich nicht freiwillig auf Führungspositionen, sondern haben in einer männerdominierten Berufswelt große Hürden zu überwinden. Es stimmt auch nicht, dass alle Frauen nur wenige Stunden arbeiten wollen. Oftmals fehlt die Infrastruktur, um Kinder und Angehörige gut betreuen zu lassen, und die Bereitschaft der Partner, sich die Care-Arbeit gerecht aufzuteilen. Weiters werden Frauen oft schon bei der Gehaltseinstufung anders behandelt als Männer und haben kaum Zugang zu Zusatzeinkommen durch bezahlte Überstunden oder Boni.

Mythos 5: Heute gibt es in Österreich doch gar keine Diskriminierung mehr

Was stimmt, ist, dass sich die rechtliche und berufliche Situation von Frauen in Österreich in den letzten 40 Jahren deutlich verbessert hat. Es stimmt auch, dass es von staatlicher Seite Bemühungen gibt, berufliche Benachteiligungen von Frauen zu reduzieren. Aber gerade durch die Corona-Pandemie wurden alte Rollenbilder wieder hervorgeholt und Frauen sind vermehrt aus dem Arbeitsmarkt ausgeschieden, um unbezahlte Care-Arbeit zu leisten.

Die Pandemie hat klar gezeigt, dass sich die Einkommensunterschiede und die Gleichstellung von Frauen am Arbeitsmarkt überhaupt nicht erledigt haben, sondern dass es noch viel zu tun gibt. Auch im internationalen Vergleich hinkt Österreich stark hinterher: Österreichs Arbeitnehmerinnen verdienen in der Stunde um rund ein Fünftel weniger als Männer – das ist EU-weit das dritthöchste Lohngefälle.

Quelle: https://www.oegb.at/themen/gleichstellung/geschlechtergerechtigkeit/gender-pay-gap–die-fuenf-gaengigsten-mythen-zum-einkommensunter.html

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