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Machen wir die Energiewende möglich: Trofaiach setzt verstärkt auf natürliche Energiequellen

Auf einen Blick

> Stadtwerke planen vier Windräder am Klammkogel-Silbersberg
> Privater Betreiber will Photovoltaikanlage beim Schlossbauer erweitern
> Trofaiach kann seinen Strombedarf künftig bilanziell zu 100 % selbst decken
> Viele weitere Kleinmaßnahmen als Beiträge zur Klimawende bereits umgesetzt oder in Planung

Trofaiach setzt auf natürliche Energiequellen. Für mehr Unabhängigkeit und Versorgungssicherheit. Für uns alle. 

Wir stecken mitten in einer Klimakrise. Die Treibhausgasemissionen steigen. Diese Tatsachen sind eine deutliche Warnung, aber vor allem ein klarer Auftrag: für die Energiewende, die Mobilitätswende, eine klimafitte Industrie und Infrastruktur.  Es braucht ein Umdenken in unserem täglichen Verhalten und ein verantwortungsvolles, nachhaltiges Handeln. Vor allem zum Schutz der nachfolgenden Generationen
Dies betrifft nicht nur unseren Strombedarf, sondern auch die Bereiche Wohnen (Wärme), Verkehr und Mobilität, Freizeit sowie Urlaubsverhalten. Es gilt den Energiebedarf deutlich zu reduzieren. Vom Auto aufs Fahrrad umsteigen, öffentliche Verkehrsmittel nutzen, die Beleuchtung aufs Wesentliche beschränken. Wir wissen alle was zu tun ist, scheitern aber leider oft an der Umsetzung.

#mission2030 – die österreichische Klima- und Energiestrategie
Die österreichische Bundesregierung hat in ihrer Klima- und Energiestrategie „#mission 2030“ sehr ambitionierte Zielvorgaben für den Strombereich vorgelegt. 100 Prozent des Gesamtstromverbrauchs sollen bis 2030 aus erneuerbaren Energien gedeckt werden. Um dies zu erreichen, muss die erneuerbare Energieerzeugung um ca. 1/3 ausgebaut werden. Umgerechnet sind das zusätzliche 30 Milliarden Kilowattstunden! Bis 2040 sollen auch die fossilen Energieträger, also Erdöl, Erdgas, Braun- und Steinkohle, in erster Linie durch Wasserstoff ersetzt werden. Dieser soll aus erneuerbarem Strom erzeugt werden.
Die Stromerzeugung hat einen übergeordneten Stellenwert, da sie lebensnotwendig ist. Leider gibt es derzeit noch tausend Kilometer lange „Strom-Highways“, die einen Unsicherheitsfaktor darstellen. Vor allem wenn man an das Thema „Blackout“ denkt. Ein Kurzschluss im Haushalt lässt sich meistens leicht beheben, ein längerer Stromausfall in weiten Teilen des Landes hingegen ist ein erschreckendes und folgenreiches Szenario. Das Österreichische Bundesheer hat den Eintritt eines Blackouts binnen der nächsten fünf Jahre mit einer 100-prozentigen Wahrscheinlichkeit gerechnet. Die Stadt Trofaiach bereitet sich darauf vor. Ein Thema, das Seiten füllen würde, aber zu einem einfachen Schluss kommt:
Strom muss dort erzeugt werden, wo er benötigt wird. Direkt vor Ort. Direkt in der Region. Direkt in der Gemeinde. Stromerzeugung vor Ort sorgt für mehr Unabhängigkeit und Versorgungssicherheit.

Stadtgemeinde und Stadtwerke handeln
Die Klima- und Energiestrategie hat große Ziele und hohe Ansprüche. Durch gemeinsames Handeln jedes Einzelnen, aller Unternehmen und der öffentlichen Hand sind diese aber machbar. Gemeinsam gegen die Klimakrise und für eine bessere Zukunft. In Trofaiach reagieren Stadtgemeinde und Stadtwerke schon vor dem besagten Jahr 2030. Wir reagieren jetzt.
Neben „kleineren“ Projekten wie dem E-Citybus, einem Radverkehrskonzept, der Erstellung einer Klimaanalyse als Grundlage für künftiges Handeln, mehreren Stromtankstellen oder der Umstellung auf LED-Straßenbeleuchtung, möchte ich an dieser Stelle einige zukunftsweisende Großprojekte vorstellen. 

Photovoltaik

  • Am Gebäude des städtischen Bauhofs befindet sich bereits eine Photovoltaik-Fassadenanlage, die im Zuge des Um- und Ausbaus der städtischen Bauhofs erweitert wird.
  • Auf dem Rathausdach wird heuer eine 350qm große PV-Anlage mit einem integrierten Stromspeicher errichtet. Erzeugter, aber nicht benötigter Strom wird nicht gleich in das Stromnetz eingespeist, sondern gepuffert und kann im Bedarfsfall abgegeben werden. Gerade bei einem Stromausfall oder gar einem Blackout, gewähren solche Anlagen eine unabhängige Stromversorgung. Der Strom aus der Sonne ist im Gegensatz zu fossilen Energieträgern unbegrenzt verfügbar – ein Vorteil der Photovoltaik und in Kombination mit dem Batteriepuffer eine der „grünsten“ Stromproduktionen überhaupt.
  • Bei Gebäuden und Anlagen der Stadtwerke sind bereits PV-Anlagen vorhanden oder werden errichtet. Konkret bei den Anlagen der Wasserversorgung sowie der Kläranlage. Die Stadtwerke setzen ihren Schwerpunkt auf den Ausbau erneuerbarer Energieerzeugungsanlagen in der Region.
  • Eine unübersehbares Photovoltaik-Projekt befindet sich auf der Freifläche Schlossbauer, das jetzt erweitert werden soll. Verantwortlich dafür zeigt sich die Firma Ecotec. Mit einer Jahreserzeugung von rund 7,5 Millionen KWh, circa 6,7 MW Leistung und sehr kurzer Energieableitung zum Umspannwerk Ost, wird Energie für 2150 Haushalte bei 3.500 KWh Verbrauch erzeugt. Ganze 20.000 Tonnen an CO2 werden damit jährlich eingespart.
Gegen die Einleitung des Projekts und die Möglichkeit einer breiten Bürgerbeteiligung im Auflageverfahren spricht sich lediglich die KPÖ aus. KP-Stadtrat Weiß dazu: „Diese Anlage löst kein Energieproblem, auch bleibt kein Anteil der Energie in Trofaiach. Es bräuchte einen nationalen Schulterschluss!“ Wenn alle so denken, kommen wir wohl nie ans Ziel einer vollständig ökologisch nachhaltigen Energiewende…

Windenergie

Die Stadtwerke Trofaiach und Judenburg sowie die Windheimat AG sind mitten in der Umsetzung des Projektes „Windenergie-Erzeugung Klammkogel-Silbersberg“.
Es entstehen 4 Anlagen mit 14,4 MW Leistung. Damit können jährlich 27 Millionen KWh erzeugt werden. Dies deckt den Energieverbrauch von 7.700 Haushalten bei 3.500 KWh Verbrauch.

Die Trofaiacher Haushalte können bilanziell zu 100% aus „Erneuerbarer Energie“ versorgt werden. Gleichzeitig werden rund 70.000 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart.

Eine Tatsache, die mich als Bürgermeister und Bewohner besonders stolz macht. Mit all diesen Großprojekten lässt es sich optimistisch in die Zukunft blicken.
Leider sind aber all die Bemühungen nicht genug, um die Klimakrise abzuwenden. Wie so oft liegt es an uns allen, gemeinsam für eine nachhaltige Zukunft zu sorgen. Kleine Schritte im Alltag bringen große Erfolge für eine klimafitte Zukunft. Auf unserem gemeinsamen Weg Halt zu machen oder einen Schritt zurück zu gehen, ist nicht möglich. Denn die Zeit ist begrenzt. Die knappste Ressource, die wir noch haben ist nicht Gas, Öl oder Kohle. Sondern die Zeit, um Gas, Öl und Kohle durch erneuerbare Energien zu ersetzten. Halten wir zusammen und gehen wir weiter. Für uns und für unsere nachfolgenden Generationen.

Mario Abl
Bürgermeister

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